Der ultimative Steuervermeidungstrick
Sonntag, 28.06.2026
Bei n-tv, einem Massenmedium, könnt Ihr seit neustem die geheimen Tricks der Steuervermeidung durch Milliardäre kennenlernen. Es gibt nur einen kleinen Haken an der Sache: Damit das funktioniert, braucht man ein sehr großes Vermögen.
Ihr könnt Euch wieder zurücklehnen. Es gibt leider keinen Trick, den Ihr übernehmen könnt. Aber eine interessante Rechnung, die uns in n-tv als Essenz eines Buches präsentiert wird:
Die Superreichen haben kein Gehalt, das sie versteuern müssten. Musk, Zuckerberg, Ellison: Sie alle haben vor Steuern wesentlich geringere Einkommen als jeder von Euch.
Aber wovon leben die dann? Ganz einfach: Sie nehmen Darlehen auf, die durch ihr Vermögen gedeckt sind. Sie leben auf Pump und die Zinsen, die sie zahlen, sind wesentlich geringer, als die Steuern, die sie für das gleiche Geld zahlen müssen.
"Buy, Borrow, Die" - Kaufen, Leihen, Sterben - heißt diese Strategie. Die Banken machen mit, weil sie daran prächtig verdienen: Jahrzehntelang kassieren sie Zinsen für Kredite, die kaum ausfallen können, weil sie mit Milliardenanteilen an den größten Konzernen der Welt besichert sind.
Das Fazit lässt sich mit den Worten einer Steuerrechtsprofessorin formulieren, die lange Zeit die Superreichen beraten hat:
Gehälter sind für Dumme. Wer Einkommen erzielt, wird mit hohen Steuern und Sozialabgaben bestraft. Jeff Bezos und viele andere unserer Multimilliardäre haben darauf keine Lust.
Ich habe auch keine Lust, den kommenden Krieg gegen Russland zu finanzieren. Aber es bleibt mir nichts anderes übrig. Ich schätze mal, dass es Euch nicht anders geht. Offenkundig macht es einen Unterschied, wer gerade keine Lust auf Steuerzahlen hat.
Es wird ein Buch zitiert, mit dem Titel "The Second Estate". Der zweite Stand ist ein Begriff aus dem Feudalismus und bezeichnete den Adel, der das Privileg der Steuerbefreiung genoss (siehe auch: Wikipedia).
Daraus ergibt sich eine sehr interessante Sichtweise, die mir bislang unbekannt war:
Dabei geht es nicht um den Reichtum der Wohlhabenden insgesamt. Sondern um den demokratiezersetzenden Vermögensexzess einer Handvoll Ultrareicher, gegen die selbst Großverdiener wie Wall-Street-Banker, Chefärzte oder Top-Berater kleine Leute sind. Denn die müssen tatsächlich hohe Steuern auf ihre Gehälter berappen: "Niemand zahlt mehr als die Working Rich", schreibt Madoff: 40 Prozent des US-Steueraufkommens kommen tatsächlich von den reichsten 1 Prozent der Steuerzahler.
Die Betonung der Autorin Ray Madoff liegt hier explizit auf den reichsten 1 Prozent der Steuerzahler – zu denen die Milliardäre nicht gehören. Wunderbar auch der spezielle Ausdruck Working Rich.
Wer hat hier eigentlich die Macht?
Lehnen wir uns doch einmal ein wenig zurück und überlegen wir, was wir da eben gelernt haben.
Im Feudalismus herrschte der König und er gab die Privilegien an den Adel, um sich ihrer Loyalität zu versichern.
Heutzutage haben wir eine repräsentative Demokratie. Ein bekannter Kabarettist hat das einmal folgendermaßen ausgedrückt: In einer solchen
liegt die Richtlinienkompetenz bei einer Handvoll Speichelleckern, die von Lobbyisten diktiert bekommen, was sie in ihre Gesetzestexte schreiben sollen.
Die Aussage wäre unvollständig, wenn man die Rolle der Chefredakteure vernachlässigen würde. All diese Personen: Die Abgeordneten, die Minister, die Chefredakteure, die Lobbyisten, gehören maximal zu den Working Rich. Und sie machen Politik für den zweiten Stand, der eigentlich der erste Stand ist, weil es keine Könige mehr gibt, die über ihnen stehen und tatsächlich Macht ausüben würden.
Wenn dem so ist: Wer hat denn dann eigentlich die Macht? Ich habe in der siebten Klasse Geschichtsunterricht gelernt, dass die Macht immer bei denen liegt, die über die größten finanziellen Mittel verfügen. Das wären heute dann wohl die Milliardäre.
Diese Leute zahlen keine Steuern, weil sie nicht an die Handlungsfähigkeit der Regierungen ihrer Länder glauben. Stattdessen bezahlen sie Lobbyisten und Abgeordnete, die ihre Anliegen zu Gesetzen machen. Besser kann man nicht zeigen, wer in der Standesreihenfolge oben und unten ist. Spoiler: Die Regierung ist nicht oben.
Ihr könnt Euch vorstellen, dass in diesem System ab und an Reibungsverluste entstehen. Es ist wie bei der „Stillen Post“: Die ursprüngliche Nachricht kommt nur unvollständig bei der Regierung an.
Wie ließe sich das System im Sinne der eigentlichen Machthaber optimieren? Also – ich als Milliardär würde einen Experten aus einer großen Vermögensverwaltung zum Regierungschef machen.