Auch Trump hat seinen Krieg

Sonntag, 01.03.2026

Mirko Matytschak

Nun hat auch Donald Trump seinen Krieg. Der Krieg straft diejenigen Lügen, die geglaubt haben, dass sich an der Machtpolitik der USA mit Donald Trump etwas ändern würde.

Ich hasse es, wenn ich die Wendung: „Ich hab’s Euch doch gesagt“ nutzen muss, denn meistens handelt es sich dann um das Eintreten einer düsteren Vorhersage. Es gab im äußersten Umkreis meines Bekanntenkreises tatsächlich Leute, die geglaubt haben, dass sich mit Donald Trump etwas am internationalen Machtgefüge ändern würde. Es gab sogar Stimmen, die einen friedlicheren Umgang der USA mit dem Rest der Welt erhofft hatten.

Frieden durch Schaumschläger?

Meine Einwände dagegen, die sich vor allem darauf stützten, dass der Herr Trump ein narzisstischer Schaumschläger mit beschränkter Bildungskapazität sein könnte, zeigten wenig Wirkung. Dabei braucht man sich nur die Motive vor Augen halten, aus denen er in seiner ersten Amtszeit die MOAB1 auf Syrien abwerfen ließ.

Damit reiht sich Trump in die Riege der Präsidenten der USA ein, die „ihren“ Krieg begonnen haben. Tatsächlich waren die USA seit 1945 permanent in militärische Auseinandersetzungen verwickelt. Entweder haben sie die Kriege von ihren Vorgängern übernommen und weitergeführt, oder sie haben ihren eigenen begonnen. Die Ausnahmen zu nennen, verkürzt die Liste erheblich. Gerald Ford und Jimmy Carter haben keine Kriege begonnen oder ausgeweitet, unter Ford zogen sich die USA aus Vietnam zurück.

Wie Trump seinen MAGA-Wählern erklären will, was er mit seinem Angriff auf den Iran bezweckt, dürfte interessant sein. Immerhin ist er angetreten, um die Interessen Amerikas vornan zu stellen, wobei er argumentierte, dass es die USA zu viel kostet, Weltpolizist in anderen Regionen der Welt zu spielen. So führt er jetzt Israels Krieg gegen den Iran und bekommt noch nicht einmal Geld dafür. „Schlechter Deal“, werden seine Wähler sagen.

Aber die US-Bevölkerung ist so konditioniert, dass sie keinen Präsidenten akzeptiert, der nicht mit Hilfe des Militärs international „Stärke“ zeigt. Dass die Präsidenten damit nur entweder Geistesschwäche zeigten, oder die Bildungsschwäche der durchschnittlichen Bevölkerung widerspiegeln, ist der blinde Fleck, den Typen wie Trump mangels kognitiver Kompetenz nicht erkennen können.

Es ist nie zu spät für Neutralität

Mir läuft in den letzten Tagen ein Gedanke nach. Als Russland unter Putin in die Ukraine einmarschierte, haben einige Politiker hierzulande öffentlich Reue gezeigt, sich Russland zu sehr angenähert zu haben. Sie beklagten die Abhängigkeit der Wirtschaft von Russland. Gegenwärtig verschärfen sich die wirtschaftlichen Probleme in Europa dadurch, dass wegen eines völlig sinnlosen Krieges die Straße von Hormus blockiert ist. Die USA sitzen mit verschränkten Armen neben ihrer Popcorn-Tüte und sehen sich das Desaster an. Hätte uns doch nur jemand gewarnt…

Aber es ist nie zu spät für Neutralität. Ein gesunder Abstand zu den drei Großmächten USA, Russland und China hat noch keinem Land geschadet. Und wenn wir schon dabei sind, sollten wir uns auch nicht für die Kriege der EU hergeben, die in Wirklichkeit Kriege der Transatlantiker sind. Auch hier ist das richtige Maß an Abstand ein Zeichen von Rationalität. Aber wie rational kann sich eine Regierung eines Landes verhalten, in dem 25% der Wähler die AfD für eine tatsächliche Alternative halten?2

 

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1 Die Abkürzung MOAB steht für Mother of all Bombs. Die etwas formellere Bezeichnung ist „Massive Ordnance Air Blast“. Die „Mother“ passt eher zum etwas infantilen Charakter der Militaristen.

2 Wer in dieser Frage Verzweiflung erkennt, darf sie behalten und kultivieren.

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